Sternenkinder

Auf dieser Seite möchte ich euch ein bisschen über meine Arbeit als ehrenamtliche Sternenkindfotografin in der Klinik Neustadt am Rübenberge mitnehmen.
Bilder aber auch die Erlebnisse der Eltern teile ich hier mit euch, um euch zu zeigen, dass diese Arbeit so wichtig und kein Tabuthema ist.

Was ist ein Sternenkind?
Als Sternenkind oder auch Schmetterlingskind werden Kinder bezeichnet, welche vor, während oder bald nach der Geburt verstorben sind.

 

 

Hanna:

 

Die kleine Hanna wurde am 29.01.2017 in der 35. Schwangerschaftswoche um 08:45h mit 45cm und 2200g still geboren.

 

Es war Sonntag, der 29.01.2017 als mich morgens die SMS einer Oma erreichte, dass ihr Enkelkind still geboren wurde und ob es möglich wäre, Bilder zu machen. Sie müsste dies aber nochmal mit ihrer Tochter klären.


Zu diesem Zeitpunkt befand ich mich eigentlich bis Dienstag im Urlaub und war 600km von der Klinik entfernt. Nach ein paar weiteren SMS und einem Gespräch mit meiner Familie haben wir den Urlaub abgebrochen und sind am Montag früh losgefahren, damit wir noch am Abend die Bilder machen können, da jede Minute kostbar ist.

Unterwegs habe ich immer wieder mit der Mama geschrieben, damit sie wussten, wann ich ca. eintreffen werde. Es war mein erstes Sternenkind, welches ich gemeinsam mit den Eltern fotografieren sollte. Irgendwie rutschte mein Herz in die Hose, weil ich nicht wusste, was mich erwartet und wie wir gemeinsam diese Situation meistern werden. Es war ganz unbegründet, weil ihr es mir sooo leicht gemacht habt.
 

Was war passiert (hier nun der Bericht der Mama):
 

~ In der 35. Schwangerschaftswoche (Ssw) war ich im Krankenhaus wegen Hohem Blutdruck, aber es war alles ok. So sind wir wieder nach Hause gefahren. Zu Hause hatte ich immer wieder dolle Bauchschmerzen, aber alle meinten, es sei alles ok und bestimmt Senkwehen.

Mein Mann wollte mit mir spazieren gehen, aber ich konnte nicht mehr laufen. So sind wir wieder ins Krankenhaus gefahren. Am CTG konnten keine Herztöne mehr festgestellt werden. Da war mir klar, dass irgendwas nicht in Ordnung ist. Beim Ultraschall sagte mir der Blick der Ärztin alles. Es war unfassbar, wie toll das Personal mit uns umgegangen ist und wie mitfühlend alle waren.
Ich sollte eigentlich in der Klinik bleiben, aber ich wollte erstmal nach Hause. Zu Hause habe ich es vor Schmerzen nicht mehr ausgehalten (wahrscheinlich habe ich nach dem ersten Schock realisiert, was passiert war).
Wieder in der Klinik, ging es ohne Einleitung los und ich wurde umgehend in den Kreißsaal gebracht - Ärzte und Hebammen waren ganz toll zu mir.  Die Geburt war wie eine „normale“ Geburt – ich war danach so glücklich, wie später nach der Geburt meines lebenden Sohnes. Ich war einfach nur glücklich, die kleine Maus im Arm zu halten.
Meine erste Träne habe ich vergossen, als ich gefragt wurde, ob sie die Kleine nun mitnehmen sollen/dürfen.

Meine Mama hat mich noch im Kreißsaal gefragt, ob sie dich als Sternenkindfotografin kontaktieren darf und somit wurde der Kontakt sehr schnell hergestellt. 

Mein Mann durfte die Nacht mit in der Klinik bleiben und ich durfte jederzeit klingeln, wenn ich meine Tochter nochmal sehen wollte.  
Am nächsten Morgen sind wir ohne unser Kind nach Hause und abends haben wir dich in der Klinik getroffen.
Es war wirklich wunderschön mit dir und du hast uns Bilder für die Erinnerung gegeben.
Du hast uns geholfen, das alles zu verarbeiten und es war einfach normal, damit umzugehen und es ist definitiv kein Tabuthema.

~

 

 

Für euch war ich während der Fotozeit die Bezugsperson und wir haben viel geredet und wunderschöne Erinnerungen geschaffen. Nachdem ihr Euch von der kleinen Hanna verabschiedet hattet, sind wir noch in den Klinikgarten und haben dort gemeinsam eine Wunderkerze für die kleine Maus angezündet. Nach diesem Einsatz bin ich entspannt und irgendwie glücklich nach Hause gefahren, weil es sich so gut und richtig angefühlt hat.

 

 

Elisabeth

Die kleine Elisabeth kam in der 37. Ssw am 17.11.2019 um 12.41h per Notkaiserschnitt mit 3190g und 51cm zur Welt und wurde um 20.25h zum Sternenkind.

 

Am 17.11.2019 kam am Mittag der Anruf aus der Klinik, dass die kleine Elisabeth sich auf den Weg zu den Sternen macht, sie aber noch auf der Intensivstation, an lebenserhaltende Geräte angeschlossen ist. Die Eltern haben sich schweren Herzens entschieden, die Geräte abzustellen, aber sie würden damit warten, bis ich eingetroffen bin. Mit tausend Fragen im Kopf, was mich diesmal erwartet und wie die ganze Situation sein wird, bin ich die knappe halbe Stunde zur Klinik gefahren.
Vor Ort eingetroffen, habe ich die kleine Maus in ihrem Bettchen auf der Intensivstation fotografiert und dann wurden die Geräte abgestellt und Elisabeth wurde zu ihrer Mama gebracht, welche selbst erst aus der Intensivstation verlegt wurde. Dann hieß es warten.

Hier der Bericht der Mama:    

 

~ Vorab noch einige Worte: Egal wie viele Kinder man hat, jedes Kind hat einen ganz besonderen Platz im Herzen. Daher wird nie ein weiteres Kind, noch die vorhandenen Kinder, den Platz für das Verstorbene füllen. Dieser Platz im Herzen bleibt für immer leer.

 

Aufgrund einer vorzeitigen Plazentaablösung kam unser 11. Kind, Elisabeth, am 17.11.2019 und 3 Wochen zu früh per Not-Kaiserschnitt zur Welt. Durch den hohen mütterlichen Blutverlust, starb Elisabeth noch vor dem Eintreffen im Krankenhaus, im Mutterleib.

Die Ärzte wollten nicht aufgeben und reanimierten Elisabeth 25 Minuten lang.

Endlich fing ihr Herzchen an zu schlagen. Daraufhin wurde sie auf die Intensivstation verlegt und an die Geräte angeschlossen. 

Aber Elisabeth war hirntot, und deshalb kam kein Laut über ihre Lippen und auch keine einzige Bewegung wurde sichtbar. Und ohne die lebenserhaltenden Geräte war sie nicht lebensfähig. Wir entschieden uns Elisabeth von den Geräten abzuschalten.

 

So hatten wir noch wundervolle 5 Stunden mit Elisabeth - bevor sie zum Sternenkind wurde. Sie zeigte zwar keine Reaktionen, aber sie lebte. Und sie war wunderschön.

Unsere Bewunderung für das wundervolle, vollkommene Geschenk Gottes, übertraf allen unseren Schmerz.

Nachdem Elisabeth ihren Lebenskampf aufgegeben hatte, fuhr mein Mann nach Hause und holte die Kinder. Die Kinder hatten jetzt die Möglichkeit sich von Elisabeth zu verabschieden. Hier zeigten die Krankenschwestern und die Hebammen viel Mitgefühl. Für das wir sehr dankbar sind. Die Schwestern nahmen sich viel Zeit. Zusammen mit den Kindern und meinen Mann, wurde die kleine Maus, gewaschen und angezogen. Die Geschwister durften auch einen Fußabdruck von ihr machen - dies half den Kindern die Trauer zu verarbeiten.
 

Gegen 23 Uhr verließ meine Familie das Krankenhaus und ich wurde auf mein Zimmer gebracht. Elisabeth war die ganze Zeit in meinen Armen. In der Nacht saß eine Krankenschwester an meinem Bett und wir unterhielten uns sehr lange. Gegen 6 Uhr wurde dann Elisabeth zum Kühlen weggebracht.

Wir sind auch sehr Frau Frees dankbar, dass sie so spontan kommen konnte. Sie hat uns viele wundervolle, einmalige Erinnerungen von Elisabeth hinterlassen. Unsere Kinder reden noch heute und wundern sich wann denn Frau Frees diese Fotos geschafft hat zu machen.

Ja, und am 26.11.2019 wurde Elisabeth beigesetzt. So endet diese so traurige Begebenheit und doch für uns eine wertvolle Erfahrung

 

Hier einige Gedanken, die die Kinder niedergeschrieben haben.

 

ELISABETH, du wirst immer in unseren Herzen bleiben.

Auch wenn wir dich lebend nie gesehen haben, ist der Schmerz doch so groß.

Du wirst immer unsere kleine Schwester sein.

Du hast uns gehört wie wir gelacht, geweint und musiziert haben. Jetzt hörst du eine andere Musik und kannst sogar mitsingen. Du darfst jetzt schon im Himmel sein und wir hoffen, dass wir uns einmal als ganze Familie mit 13 Personen dort wiedersehen.

Wir haben dich ab dem Moment geliebt als Mama uns sagte, dass wir noch ein Geschwisterchen bekommen. Jeder hat sich auf dich gefreut. 

Jedoch hatte der Herr einen anderen Plan für dich. Den Besten, den es gibt würden wir sagen.

Jetzt heißt es stark sein und auf dem Herrn Jesus vertrauen. Er wird uns die Kraft zum Weiterleben geben.

Elisabeth wir lieben und vermissen dich. ~

 

Während der Zeit, bis Elisabeth ein Sternenkind wurde, haben wir uns viel unterhalten und die hübsche Maus bewundert.
Irgendwann habe ich die Eltern mit ihr allein gelassen, damit sie in Ruhe Abschied nehmen konnten und der Papa hat mich geholt, als es soweit war.

Mit den Geschwistern haben wir sehr viele Fotos machen können und ich fand es so wunderbar, wie liebevoll alle mit ihr umgegangen sind. Sie hatten sie auf dem Arm, haben verglichen, mit wem sie wohl Ähnlichkeit hat und hätte man nicht gewusst, dass dort ein Sternchen in den Armen liegt, könnte man denken, es wären ganz normale Familienfotos nach der Geburt entstanden.   

Vielen lieben Dank an "Der kleine Yogi" für das extra für die Sternenkinder gestaltete Bild.

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Astrid-Saskia Frees "Fotos auf Rädern"
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